Rasieren im Wandel der Zeit

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Falls Sie denken, dass Männer mit der Gesichtsbehaarung nur ein modernes Problem haben, haben wir Neuigkeiten für Sie. Archäologische Funde belegen, dass Männer in der Jungsteinzeit Feuerstein-, Obsidian- oder Muschelsplitter benutzten oder sogar Muschelschalen als Pinzette verwendeten. (Autsch.)
Später experimentierten die Männer mit Rasiermessern aus Bronze, Kupfer und Eisen. Wohlhabende hatten mitunter einen eigenen Barbier, während der Rest von uns den Barbiersalon aufsuchte. Und ab dem Mittelalter ging man möglicherweise auch zum Barbier, wenn man eine Operation, einen Aderlass oder eine Zahnextraktion benötigte. (Zwei Fliegen mit einer Klappe.)

In jüngerer Zeit verwendeten Männer das Stahlmesser, auch „Rasiermesser“ genannt, aus dem naheliegenden Grund. Aufgrund seiner messerähnlichen Form musste es mit einem Wetzstein oder Lederriemen geschärft werden und erforderte beträchtliches Geschick (ganz zu schweigen von höchster Konzentration).

WARUM HABEN WIR ÜBERHAUPT MIT DER RASUR ANGEFANGEN?
Wie sich herausstellte, gab es dafür viele Gründe. Die alten Ägypter rasierten sich Bart und Kopf, vermutlich wegen der Hitze und wahrscheinlich auch, um Läuse fernzuhalten. Obwohl es als unschicklich galt, Gesichtsbehaarung zu tragen, trugen die Pharaonen (sogar einige Pharaoninnen) künstliche Bärte, um den Gott Osiris nachzuahmen.

Die Rasur wurde später von den Griechen unter der Herrschaft Alexanders des Großen übernommen. Diese Praxis wurde weithin als Verteidigungsmaßnahme für Soldaten gefördert, um zu verhindern, dass der Feind ihnen im Nahkampf die Bärte packen konnte.

MODE-STATEMENT ODER FAVORIT?
Männer haben seit jeher ein ambivalentes Verhältnis zu Gesichtsbehaarung. Im Laufe der Jahre wurden Bärte mal als ungepflegt, mal als attraktiv, mal als religiöse Pflicht, mal als Zeichen von Stärke und Männlichkeit, mal als schmutzig oder als politisches Statement angesehen.

Bis zur Ankunft Alexanders des Großen rasierten sich die alten Griechen ihre Bärte nur in Trauerzeiten. Junge römische Männer hingegen feierten um 300 v. Chr. mit einer „Erstrasur“ ihren bevorstehenden Eintritt ins Erwachsenenalter und ließen sich ihre Bärte nur in Trauerzeiten wachsen.

Etwa zur Zeit Julius Caesars ahmten ihn römische Männer nach, indem sie sich die Bärte ausrissen, und dann brachte Hadrian, römischer Kaiser von 117 bis 138, den Bart wieder in Mode.

Die ersten 15 US-Präsidenten waren bartlos (obwohl John Quincy Adams und Martin Van Buren mit beeindruckenden Koteletten aufwarten konnten). Dann wurde Abraham Lincoln, der Besitzer des wohl berühmtesten Bartes aller Zeiten, gewählt. Er begründete einen neuen Trend: Die meisten seiner Nachfolger trugen Gesichtsbehaarung, bis Woodrow Wilson 1913. Seitdem sind alle US-Präsidenten glatt rasiert. Und warum auch nicht? Die Rasur hat sich schließlich stark weiterentwickelt.


Veröffentlichungsdatum: 09.11.2020